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Matthias Köhler, Jahrgang 1973, betreibt seit 1994 eine Film- und Fernsehproduktion. Wie es dazu kam und wo die Schwerpunkte liegen, verrät er uns hier. Katja Schulz: Sie haben sich schon mit 21 selbständig in einer schwierigen Branche gemacht. Wie kam es dazu? Matthias Köhler: Zu diesem Zeitpunkt habe ich mich ja schon mehrere Jahre beim Fernsehen getummelt. Irgendwann habe ich erkannt, dass ich am erfolgreichsten arbeiten kann, wenn ich den Auftraggebern mit eigener Technik komplette Filme mache und alle Arbeiten selbst erledige. KS: Die Ursprünge lagen also noch früher? MK: Genau. Ich war wohl etwa 12 Jahre alt, als mein Vater mich einmal im Jahr zu einer Film-Matinee eines großen deutschen Unternehmens mitnahm, von dem er einige wenige Aktien besaß. Da konnten die Aktionäre im Saal 1 des Berliner ICC richtig tolle 35mm-Filme über Forschung, Entwicklung und Produktion in diesem Unternehmen sehen. Schon damals stand für mich fest: Solche Filme möchte ich auch mal machen. Ich wusste zwar noch nicht, wie ich das anstellen sollte, aber das Interesse war geweckt. Außerdem habe ich immer sehr gerne die Sendung mit der Maus gesehen, wo Kindern auf wunderbare Weise die Welt erklärt wird. |
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MK: Mit 15 habe ich Kontakt zum damaligen SFB aufgenommen, konkret zur Berliner Abendschau, unserer regionalen Nachrichtensendung. Zuvor hatte ich ein Jahr lang eine präzise Statistik mit Daten zu den Sendungen eines Jahres erstellt und einen Jahresrückblick über die Abendschau geschrieben. Das hat denen so gefallen, dass sie mich in den Ferien mal einen Tag einluden. Aus einem Tag in den Ferien wurde dann mal eine ganze Woche, ich konnte immer mal wieder in den gesamten Entstehungsprozeß reinschnuppern. So habe ich mehr über das Fernsehmachen gelernt als es mir sonst in jungen Jahren irgendwo möglich gewesen wäre. Dabei sind Kontakte entstanden, die bis heute andauern. KS: Wann kam denn die Eisenbahn ins Spiel? MK: Das war 1989. Meine Eltern hatten ganz frisch Kabelfernsehen und ich sah, dass es eine Sendung auf einem kleinen Regionalsender gab, wo es um Eisenbahn, U-Bahn, S-Bahn, Busse und so weiter ging. So nahm ich Kontakt zum Macher der Sendung auf, daraus wurde eine mehrjährige intensive Zusammenarbeit. Ich begann selbst zu drehen und zu schneiden, getextet hatte ich schon vorher, außerdem habe ich die Sendung mehrere Jahre moderiert. Als dann 1993 der damalige Berliner Privatsender IA auf Sendung ging, war ich seit der ersten Programmwoche mit zahlreichen aktuellen Beiträgen dabei. In dieser Zeit kam auch der Entschluss, eigene Technik anzuschaffen und nicht mehr mit angemieteten Teams zu drehen. Das war eine richtige Entscheidung, denn ab 1995 kamen die ersten Aufträge aus der Eisenbahn- und Nahverkehrsbranche für fachliche Informationsfilme, und diese zeitgeschichtlichen Filme über Themen mit Politik- und Technikbezug brachten mir letztendlich den Durchbruch. KS: Sie scheinen eine gewisse Affinität zu den öffentlichen Verkehrsmitteln zu haben. Nutzen Sie diese auch selbst? MK: Neulich habe ich Post von der BVG erhalten, wo man mir zum 20jährigen Jubiläum meines Jahresabos gratulierte. Es gibt viele gute Gründe, in Berlin und auch im Fernverkehr nicht immer nur mit dem Auto zu fahren. Öffentliche Verkehrsmittel sind herrlich bequem, man steigt einfach ein, lässt sich fahren, sieht die Stadt und die Landschaft vorbeiziehen und kommt entspannt und ohne Parkplatz-Stress am Ziel an. Nebenbei hat man sogar noch die Umwelt entlastet. KS: Sie haben von 1994 bis 1999 ein Studium der Politikwissenschaft an der Freien Universität Berlin absolviert. Warum gerade Politologie? MK: Vor und nach dem Abitur hatte ich zunächst einige andere Ideen, was ich studieren könnte. Zum Glück habe ich mich dann aber für die Politikwissenschaft entschieden, das war goldrichtig. Als Politologe entwickelt man einen Blick für die gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Zusammenhänge. Das ist die ideale Basis, um komplexe Themen zu guten Filmen zu verarbeiten. KS: Sie haben Ihr Politologie-Diplom mit 1,8 gemacht. Warum sind Sie nicht Redenschreiber bei der Kanzlerin geworden? MK: Ich schätze unsere Kanzlerin, aber ich meine, dass ich in der Filmbranche am besten aufgehoben bin. Es gibt so viele Unternehmen, Behörden und Institutionen, die für ihre Arbeit gute Informationsfilme brauchen, und ich bin in der Lage, solche Filme in bester technischer und inhaltlicher Qualität zu realisieren. Und ich genieße es durchaus, dass auch große Bundesbehörden zu meinen Auftraggebern zählen, so dass ich als filmender Politologe auch ein Stück Einblick in das politische Leben der Bundeshauptstadt habe. Man kann überall seine Nase reinstecken, hat heute einen Drehtermin auf einer Bahnbaustelle und morgen eine Veranstaltung in einem Bundesministerium, diese Mischung ist super und macht viel Spaß. KS: Sie sprachen gerade die technische Qualität an. Ist die bei Ihnen denn besser als bei anderen? MK: Ganz klar ja. Weil ich konsequent nur allerbeste Technik einsetze. Dadurch war ich in den vergangenen Jahren nicht gezwungen, jeden technischen Formatwechsel mitzumachen, weil ich davon überzeugt war, dass erst der Sprung zur hochauflösenden Technik den wirklich großen Vorteil bietet. Da galt es aber, so lange zu warten, bis die Technik wirklich ausgereift ist, um keine faulen Kompromisse machen zu müssen. Mit der Ikegami Editcam HD ist nun eine Kamera verfügbar, welche qualitativ ganz oben angesiedelt ist, noch oberhalb von HDCAM, dem bisherigen Standard für HDTV-Produktionen. Da können Mitbewerber mit kleinen billigen HDV-Kameras nicht mithalten. Die Unterschiede sind so extrem, dass sie auch vom Auftraggeber und vom Zuschauer deutlich wahrgenommen werden, egal ob meine Filme auf einem großen HDTV-Monitor oder auf einem normalen PAL-Fernseher laufen. Aber Technik ist natürlich nicht alles, man muss auch perfekt und in allen Situationen mit ihr umgehen können. Doch das sollte an sich selbstverständlich sein, weil es nun mal in erster Linie auf die Inhalte ankommt. |
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Blickfang im Schnittstudio: Eine Bosch-Kamera aus den 80er Jahren. MK: Neben den bereits erwähnten Schwerpunkten im Bereich Eisenbahn und Nahverkehr, und das ist bitte immer zu verstehen als Mix aus Verkehrstechnik und Verkehrspolitik, arbeite ich mich ständig in neue Themen ein, von der Unfallverhütung bei Binnenschiffern über den demografischen Wandel bis hin zur Landwirtschaft. Es gibt aber auch Themen, die ich für mich ausschließe, so würde ich keine Filme für die Alkohol- und die Zigarettenindustrie machen, auch nichts für politisch extreme Gruppierungen. Ich kann nur dann gute Filme machen, wenn ich mich mit dem Inhalt ein Stück weit identifizieren kann. KS: Gibt es bedeutende Zukunftspläne? MK: Ich möchte nicht nach Hollywood, möchte keinen Oscar bekommen, sondern auch künftig meinen vielen Auftraggebern schöne Filme machen, mit denen sie ihr Unternehmen, ihre Technologien oder ihr Projekt so anschaulich wie möglich ihrer jeweiligen Zielgruppe präsentieren können. Wenn ich weiterhin konsequent auf die Bedürfnisse meiner Kunden schaue, dann vermute ich, auch in Zukunft immer interessante Filme realisieren zu dürfen, was mir ausgesprochen viel Freude bereitet. |
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